⊗ r. anderscheinungen ⊗
Sonntag, 8. Mai 2011
leben - das ist das, was entgegen jeglicher vorheriger planung dann auch echt passiert....

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Samstag, 5. März 2011
was ist alt?
lena schaltet den fernseher kurz nach mitternacht ab. echt genug getrödelt, es ist zeit sich aufzuraffen. sie zieht ihre Jacke an und wirft noch einen kurzen blick in den spiegel.
gar nicht so abstossend für eine mittdreissigerin. sie kann sich echt nicht beklagen.

während dem kurzen weg zu ihrem auto saugt sie die frische kalte nachtluft regelrecht ein und fühlt sich schlagartig munterer.
ehe sie losfahren kann, kramt sie in der türablage noch nach einer cd. etwas rockiges – minke und die mädels stehen ja nicht auf ihre elektronischen beats. als pete townsend in die saiten greift, dreht sie den zündschlüssel.

die strasse ist leer. zu dieser nachtschlafenden zeit sind in all den orten allenfalls noch katzen unterwegs. lena dreht die musik auf und singt lauthals mit. erinnerungen an ihre letzte party ziehen vor ihrem geistigen auge vorbei. wann war das eigentlich? lindas geburtstag? der lag ja nun schon eine ganze weile zurück. seit das baby auf der welt ist, kommt sie kaum noch vor die tür. sie ist ja schon froh, wenn sie es mit dirk mal einen abend ins kino schafft. ja, lindas fest... der kater am nächsten tag war horror– aber der abend war es wert! linda wusste schon immer zu feiern und lena war stets bemüht, dem begriff des „rauschenden festes“ trinkfest zur ehre zu gereichen.
lena grinst in sich hinein. es ist wirklich an der zeit, mal wieder die nacht zum tag zu machen!

problemlos findet sie den weg, den minke ihr beschrieben hat. die wohngegend macht einen wohlhabend aufgeräumten eindruck und lediglich in wenigen häusern ist noch licht zu sehen. angekommen, lenkt sie ihren wagen in die auffahrt zur garage. die fete ist in vollem gange, die musik nicht zu überhören. kaum zu glauben, dass es keinen stress mit den nachbarn gibt in so einer spiessergegend, schiesst es durch lenas kopf.

sie klingelt bereits zum dritten mal, als ihr ein bubi mit grau-blau gestreifter mütze die tür öffnet. er ist ein beachtliches stück grösser als sie, dafür aber höchstens halb so alt. flüchtig mustert er lena mit kiebigen augen, setzt dann aber schnell ein charmantes grinsen auf: „hi!“
lena starrt ihn überrascht an. obwohl sie diese schlabberhosen eigentlich nicht leiden kann, ist sie von der aparten erscheinung des boys und seiner selbstbewussten haltung augenblicklich hingerissen. kein wunder, dass minke von ihm schwärmt! da könnte man ja echt auf unanständige gedanken kommen... und genau die scheint er gerade zu erraten. amüsiert schaut er lena an und tritt zur seite, um sie einzulassen. „vielleicht etwas zu trinken?“, fragt er keck. lena lacht verblüfft und schüttelt den kopf. dabei hätte sie beinahe ihre jacke ausgezogen und nach einem cubalibre verlangt. ah, ihr alter feierreflex.
„schade!“, er zuckt mit den schultern. dann dreht er den kopf hinüber zum wohnzimmer und schreit: „minke!“
minkes gesicht erscheint im türrahmen. sie hat gerötete wangen und ein getränk in der hand, das sicher nicht nur cola enthält. als sie lena neben ihrem freund entdeckt, macht sich enttäuschung in ihrem gesicht breit.
„deine mutter ist da.“, fügt dieser überflüssigerweise an.

als lena zehn minuten später mit minke mit ihren freundinnen ins auto steigt, fühlt sie sich plötzlich müde. und schlagartig um zehn jahre gealtert. sie dreht sich um und fragt: „welche setze ich zuerst ab?“ thekla hebt resigniert die hand und schaut mit wehmütigem blick zur haustür zurück.
lena dreht den zündschlüssel und stellt mit einer unbewussten bewegung pete townsends gitarre leiser.

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Freitag, 7. Januar 2011
nun steht er da der menschenfeind, zähnefletschend, vor dem machwerk seiner zerstörung. sein gesicht und seine haare sind voller staub und schmutz, seine hände mit braunem blut verkrustet. er durchstreift die verkohlten ruinen der stadt, die er einst so hasste. häuser die umgeknickt sind und wie alte grabsteine in den himmel ragen, pechschwarze rauchsäulen, die den himmel verdunkeln und eine eisige, schmerzhafte kälte über ihn tragen, sind mittelpunkt der szenerie.
noch vermochte er es nicht ganz wahrzuhaben: er ist nun endlich der einzige mensch auf dieser welt.
um sich seiner vermutung zu vergewissern, rennt er (stets mit einem lächeln) tage durch die trümmerlandschaft. er hat sich schnell an die unregelmäßige bodenbeschaffenheit zersplitterter betonwelten gewöhnt. wie ein engel, so elegant tragen ihn seine flinken füße über versenkte stahl- und betonträger, autowracks und menschenknochen. bis er wusste, er ist wahrhaftig der einizige mensch auf dieser welt.
doch es ist immer noch kalt, der schwarze dunst will sich nicht vom himmel lösen. die eisige kälte und die dunkelheit ist das vermächtnis vom menschenfeind, das ihm selbst zu schaffen macht.
hass und zerstörung wurden zurückgetragen. der menschenfeind war leichtsinnig. es war töricht von ihm zu glauben, er könne nach belieben mit gefühlen umgehen, wie er es eben mal so wolle! der verführerischen leichtigkeit des hasses zum opfer gefallen, bleibt vom menschenfeind eine leere hülle übrig, die - oh respekt - aber immerhin in anderen spähren kreist. angst vor dem alleinsein und eine todessehnsucht (die leider nicht in erfüllung geht, da man keine toten mehr gebrauchen kann) bestimmen sein einsames dasein inmitten der verbrannten erde.
der menschenfeind wankt zwischen den toten und denen, die man einst lebende nannte, nicht in der lage zu entscheiden, welchen weg er gehen soll. das lächeln, welches eigentlich kein richtiges war, verschwindet allmählich aus seinem verdreckten gesicht und die spröden lippen schieben sich über seine abgestumpften zähne zurück. das gesicht versteinert sich zu einer hässlichen grimasse und wird eins mit der toten stadt.

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Samstag, 12. Juni 2010
es ist montag der 4. märz 2011, 6 uhr morgens.
der wecker reißt franz l. (42) aus dem schlaf.
der achzigerjahre-sender spielt modern talking.
herr l. quält sich aus dem bett.
gestern war es was später geworden.
bei der arbeit. dienst am pfingstmontag - mal wieder.
früher konnte er danach wenigstens ausschlafen.
"ja, ja, der pfingstmontag", murmelt herr l.,
"ist ja wirklich schon sieben jahre her?"

tüchtig hat sich was getan, seit damals. nur nicht in seinem haus.
als 2005 die eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, waren doch dann abstriche zumachen.
inzwischen hat sich familie l. daran gewöhnt.
an frei liegende leitungen und den betonfußboden.
in ordnung, denkt herr l., dass damals die garage noch nicht fertig war.

denn das auto ist längst verkauft.
zu teuer, seit es keine kilometerpauschale mehr gibt.
und mit bus und bahn dauert es in die city ja auch nur zwei stunden.
und was man dabei für nette leute trifft.
zum beispiel die blondine, die herrn l. immer so reizend anlächelt.
zurücklächeln mag er nicht.
wegen seiner zähne.

aber was will man machen? 3000 teuro für zwei kronen sind viel geld.
in bulgarien kostet das nur die hälfte...
die Brille musste er selbst bezahlen.
hat dabei aber 15 teuro gespart, weil er nicht gleich zum augen-,
sondern erst zum hausarzt gegangen ist. wegen der überweisung.

totzdem:
der urlaub fällt flach.
"das könnte ärger geben zu hause", stöhnt herr l. vor sich hin.
traurig erinnert er sich an letzten weihnachen. als es nichts gab.

2011 wurde nämlich auch in der freien wirtschaft das weihnachtsgeld gestrichen.
im öffentlichen dienst ist das ja schon länger her.
"und bis wann gab es eigentlich urlaubsgeld?", fragt sich herr l., er kommt nicht drauf.
damals hatte er noch genügend urlaub, um das urlaubsgeld aus zu geben.
heute sind es ja gerade mal 19 tage im jahr. pfingstmontag? 1. mai? geschichte.
das stand nicht auf der agenda 2010 - so hieß sie doch, oder?

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Sonntag, 28. Juni 2009
oberflächlichkeit
mit der oberflächlichkeit
unseres denkens und handelns
erkennen wir immer wieder
wie perfekt wir in diese gesellschaft passen

wenn wir auch anders sein möchten
sind es schon die kleinsten dinge
welche uns zeigen
daß wir es niemals schaffen
anders zu sein, als die anderen

die oberflächlichkeit unseres lebens
etwas zu sehen, beurteilen zu wollen
oder auch zu verurteilen
ist ein antrieb und motivation
der wohl nur schwer
wenn überhaupt nicht zu steuern ist

solange wir dies noch erkennen
gibt es hoffnung
doch merken wir hier und da
daß wir in ihr gefangen sind
uns der oberflächlichkeit nicht entziehen können
und werden lernen müssen mit ihr zu leben
völlig überwinden können wir sie nicht...

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Donnerstag, 4. Juni 2009
langeweile ist ein unbezahlbarer luxus.

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Montag, 1. Juni 2009
es geht weiter
inmitten der nacht, der klaren, mondbeschienenen nacht voller stille ist kein nichts zu hören.

sie liegt da, stumm, reglos. fast so, als sei sie tot.
so gelähmt und taub sich ihr Körper anfühlt, so wach und angespannt sind ihre sinne.
ganz genau weiss sie, dass er kommen wird, der zug.
sie nimmt schon die vibration mit all ihren nerven wahr, das erbeben, das sein ankommen ankündigt auf den gleisen, zwischen denen sie liegt, lange bevor sie ihn hören oder gar sehen kann.

anscheinend nichts hält sie an diesem ort, keine gurte, keine ketten, keine sehnsucht und dennoch kann sie sich nicht rühren.
all ihre gliedmassen hören nicht auf sie.
unsagbare angst wallt in ihr auf mit jeder sekunde, die verstreicht, mit jedem meter,
den sich der Zug nähert.
das erbeben der schienen wird immer stärker, sie kann ihn hören, deutlich. klar.
eine gewaltige panik durchzuckt sie wie ein eisiger luftzug.

dann ist er da.

erst sieht sie nur vage seine umrisse, sie hört das erbarmungslose rattern und stampfen, das immer lauter wird und immer näher kommt. auf dieser welt gibt es nur noch diesen riesigen, rasendschnellen zug und sie selbst, wie dort reglos zwischen den schienen im gleisbett liegt

bremsen quitschen, metall kreischt auf metall.
zu spät.

der zug erfasst sie.



genau wie ein bremsender zug habe ihr schreien geklungen, sagt jener am folgenden tag, der sie in der nacht, nach ihrem erwachen behütend getröstet hatte.

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Samstag, 30. Mai 2009
wenn du nicht weisst, woher der hase läuft, ist das ganze geschwätz über die form seiner ohren wertlos.

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Sonntag, 24. Mai 2009
also mal dampf in die kiste hier.
ich mach mal gut weiter in diesem alten haus.
mit dem layout, da hab ich noch garkeine idee, aber das hatte ich die letzten 2022 tage auch nicht.

schaunmermal

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Sonntag, 12. April 2009
schreiben.
ich will wieder schreiben.
raushauen der gedanken, wie es oft so leicht ging.
irgrndwas trübt den spass.
irgendwas lässt die lust am staunen und herausposaunen trüben.
ich weiss nicht was, ich muss wieder üben.

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Dienstag, 17. Februar 2009
plötzlich, da der ameisenhaufen die rettung erfährt, verlassen einige das dorf fluchtartig, als wenn es was kosten könnte.

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Donnerstag, 5. Februar 2009
einmal, da haben wir frösche gefangen.
wir haben sie aufgeblasen mit einem strohhalm.
da hintenrein.
wir sind mit den fahrrädern kreise um sie gefahren nachdem wir sie mitten auf die leere parkfläche gelegt hatten.
immer enger, die kreise.
immer enger.


an den knallgeräuschen hatten wir spass.

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Mittwoch, 4. Februar 2009
momente des seins.
ich bin.
ich bin ich.
die zeit habe ich.
ich zu sein.
ich.

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Sonntag, 25. Januar 2009
musik erweckt gefühle, die sie nicht zu befriedigen vermag.

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Letzte Aktualisierung: 2011.05.08, 11:08
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mit der oberflächlichkeit unseres denkens und...
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