⊗ r. anderscheinungen ⊗ mein denkraum.
Freitag, 7. Januar 2011
nun steht er da der menschenfeind, zähnefletschend, vor dem machwerk seiner zerstörung. sein gesicht und seine haare sind voller staub und schmutz, seine hände mit braunem blut verkrustet. er durchstreift die verkohlten ruinen der stadt, die er einst so hasste. häuser die umgeknickt sind und wie alte grabsteine in den himmel ragen, pechschwarze rauchsäulen, die den himmel verdunkeln und eine eisige, schmerzhafte kälte über ihn tragen, sind mittelpunkt der szenerie.
noch vermochte er es nicht ganz wahrzuhaben: er ist nun endlich der einzige mensch auf dieser welt.
um sich seiner vermutung zu vergewissern, rennt er (stets mit einem lächeln) tage durch die trümmerlandschaft. er hat sich schnell an die unregelmäßige bodenbeschaffenheit zersplitterter betonwelten gewöhnt. wie ein engel, so elegant tragen ihn seine flinken füße über versenkte stahl- und betonträger, autowracks und menschenknochen. bis er wusste, er ist wahrhaftig der einizige mensch auf dieser welt.
doch es ist immer noch kalt, der schwarze dunst will sich nicht vom himmel lösen. die eisige kälte und die dunkelheit ist das vermächtnis vom menschenfeind, das ihm selbst zu schaffen macht.
hass und zerstörung wurden zurückgetragen. der menschenfeind war leichtsinnig. es war töricht von ihm zu glauben, er könne nach belieben mit gefühlen umgehen, wie er es eben mal so wolle! der verführerischen leichtigkeit des hasses zum opfer gefallen, bleibt vom menschenfeind eine leere hülle übrig, die - oh respekt - aber immerhin in anderen spähren kreist. angst vor dem alleinsein und eine todessehnsucht (die leider nicht in erfüllung geht, da man keine toten mehr gebrauchen kann) bestimmen sein einsames dasein inmitten der verbrannten erde.
der menschenfeind wankt zwischen den toten und denen, die man einst lebende nannte, nicht in der lage zu entscheiden, welchen weg er gehen soll. das lächeln, welches eigentlich kein richtiges war, verschwindet allmählich aus seinem verdreckten gesicht und die spröden lippen schieben sich über seine abgestumpften zähne zurück. das gesicht versteinert sich zu einer hässlichen grimasse und wird eins mit der toten stadt.

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Samstag, 12. Juni 2010
es ist montag der 4. märz 2011, 6 uhr morgens.
der wecker reißt franz l. (42) aus dem schlaf.
der achzigerjahre-sender spielt modern talking.
herr l. quält sich aus dem bett.
gestern war es was später geworden.
bei der arbeit. dienst am pfingstmontag - mal wieder.
früher konnte er danach wenigstens ausschlafen.
"ja, ja, der pfingstmontag", murmelt herr l.,
"ist ja wirklich schon sieben jahre her?"

tüchtig hat sich was getan, seit damals. nur nicht in seinem haus.
als 2005 die eigenheimzulage plötzlich doch gestrichen wurde, waren doch dann abstriche zumachen.
inzwischen hat sich familie l. daran gewöhnt.
an frei liegende leitungen und den betonfußboden.
in ordnung, denkt herr l., dass damals die garage noch nicht fertig war.

denn das auto ist längst verkauft.
zu teuer, seit es keine kilometerpauschale mehr gibt.
und mit bus und bahn dauert es in die city ja auch nur zwei stunden.
und was man dabei für nette leute trifft.
zum beispiel die blondine, die herrn l. immer so reizend anlächelt.
zurücklächeln mag er nicht.
wegen seiner zähne.

aber was will man machen? 3000 teuro für zwei kronen sind viel geld.
in bulgarien kostet das nur die hälfte...
die Brille musste er selbst bezahlen.
hat dabei aber 15 teuro gespart, weil er nicht gleich zum augen-,
sondern erst zum hausarzt gegangen ist. wegen der überweisung.

totzdem:
der urlaub fällt flach.
"das könnte ärger geben zu hause", stöhnt herr l. vor sich hin.
traurig erinnert er sich an letzten weihnachen. als es nichts gab.

2011 wurde nämlich auch in der freien wirtschaft das weihnachtsgeld gestrichen.
im öffentlichen dienst ist das ja schon länger her.
"und bis wann gab es eigentlich urlaubsgeld?", fragt sich herr l., er kommt nicht drauf.
damals hatte er noch genügend urlaub, um das urlaubsgeld aus zu geben.
heute sind es ja gerade mal 19 tage im jahr. pfingstmontag? 1. mai? geschichte.
das stand nicht auf der agenda 2010 - so hieß sie doch, oder?

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Montag, 29. Juni 2009
oberflächlichkeit
mit der oberflächlichkeit
unseres denkens und handelns
erkennen wir immer wieder
wie perfekt wir in diese gesellschaft passen

wenn wir auch anders sein möchten
sind es schon die kleinsten dinge
welche uns zeigen
daß wir es niemals schaffen
anders zu sein, als die anderen

die oberflächlichkeit unseres lebens
etwas zu sehen, beurteilen zu wollen
oder auch zu verurteilen
ist ein antrieb und motivation
der wohl nur schwer
wenn überhaupt nicht zu steuern ist

solange wir dies noch erkennen
gibt es hoffnung
doch merken wir hier und da
daß wir in ihr gefangen sind
uns der oberflächlichkeit nicht entziehen können
und werden lernen müssen mit ihr zu leben
völlig überwinden können wir sie nicht...

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Donnerstag, 4. Juni 2009
langeweile ist ein unbezahlbarer luxus.

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Montag, 1. Juni 2009
es geht weiter
inmitten der nacht, der klaren, mondbeschienenen nacht voller stille ist kein nichts zu hören.

sie liegt da, stumm, reglos. fast so, als sei sie tot.
so gelähmt und taub sich ihr Körper anfühlt, so wach und angespannt sind ihre sinne.
ganz genau weiss sie, dass er kommen wird, der zug.
sie nimmt schon die vibration mit all ihren nerven wahr, das erbeben, das sein ankommen ankündigt auf den gleisen, zwischen denen sie liegt, lange bevor sie ihn hören oder gar sehen kann.

anscheinend nichts hält sie an diesem ort, keine gurte, keine ketten, keine sehnsucht und dennoch kann sie sich nicht rühren.
all ihre gliedmassen hören nicht auf sie.
unsagbare angst wallt in ihr auf mit jeder sekunde, die verstreicht, mit jedem meter,
den sich der Zug nähert.
das erbeben der schienen wird immer stärker, sie kann ihn hören, deutlich. klar.
eine gewaltige panik durchzuckt sie wie ein eisiger luftzug.

dann ist er da.

erst sieht sie nur vage seine umrisse, sie hört das erbarmungslose rattern und stampfen, das immer lauter wird und immer näher kommt. auf dieser welt gibt es nur noch diesen riesigen, rasendschnellen zug und sie selbst, wie dort reglos zwischen den schienen im gleisbett liegt

bremsen quitschen, metall kreischt auf metall.
zu spät.

der zug erfasst sie.



genau wie ein bremsender zug habe ihr schreien geklungen, sagt jener am folgenden tag, der sie in der nacht, nach ihrem erwachen behütend getröstet hatte.

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Samstag, 30. Mai 2009
wenn du nicht weisst, woher der hase läuft, ist das ganze geschwätz über die form seiner ohren wertlos.

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Sonntag, 24. Mai 2009
also mal dampf in die kiste hier.
ich mach mal gut weiter in diesem alten haus.
mit dem layout, da hab ich noch garkeine idee, aber das hatte ich die letzten 2022 tage auch nicht.

schaunmermal

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Montag, 13. April 2009
schreiben.
ich will wieder schreiben.
raushauen der gedanken, wie es oft so leicht ging.
irgrndwas trübt den spass.
irgendwas lässt die lust am staunen und herausposaunen trüben.
ich weiss nicht was, ich muss wieder üben.

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Mittwoch, 18. Februar 2009
plötzlich, da der ameisenhaufen die rettung erfährt, verlassen einige das dorf fluchtartig, als wenn es was kosten könnte.

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Donnerstag, 5. Februar 2009
einmal, da haben wir frösche gefangen.
wir haben sie aufgeblasen mit einem strohhalm.
da hintenrein.
wir sind mit den fahrrädern kreise um sie gefahren nachdem wir sie mitten auf die leere parkfläche gelegt hatten.
immer enger, die kreise.
immer enger.


an den knallgeräuschen hatten wir spass.

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Mittwoch, 4. Februar 2009
momente des seins.
ich bin.
ich bin ich.
die zeit habe ich.
ich zu sein.
ich.

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Sonntag, 25. Januar 2009
musik erweckt gefühle, die sie nicht zu befriedigen vermag.

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Samstag, 17. Januar 2009
manchmal denke ich mich weiter.
weiter raus aus dem alltäglichen.
manchmal verschwinde ich in unendlichen weiten.
wie gern ich mich verliere.

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Mittwoch, 14. Januar 2009
realität, so...
realität ist eine lücke, ein leerer fleck, der durch das definiert wird was ihn umgibt.
sie ist die viel zu kalte heizung neben der man früh an einem wintermorgen erwacht. sie ist der zu laute und kaputte wasserhahn,
die zahnpasta die einem von der zahnbürste fällt.
sie ist der regentropfen, der einem die nasenspitze kitzelt, wenn man zum himmel schaut und feststellt dass man seinen schirm vergessen hat und heute eigentlich auch gar keinen regen möchte.
sie ist die verpasste bahn, das lächeln des zeitungsjungen, das letzte multivitamin bonbon in der tüte.
sie ist der gerissene schnürsenkel den man gerade fester ziehen wollte um einen kurzen sprint einzulegen.
sie ist die tote taube die auf dem kopfsteinpflaster auf dem burgplatz liegt.
sie ist ein blutfleck auf weissen leinen.
sie ist die leere schachtel schlaftabletten, die ein junges mädchen zuvor zu sich genommen hat.
sie ist der regen, der gegen das fenster trommelt, die seile die im sturm gegen den fahnenmast schlenkern. realität ist ein stein in unserem kopf.

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Letzte Aktualisierung: 2016.02.14, 18:20
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